Die Täuschung der „Multipolarität“ durchschauen: Die USA und China bilden nach wie vor ein bipolares System
19.9.2026#中美关系#地缘政治#两极格局#外交事务

Liebe Leser, lassen Sie uns heute über einen kürzlich erschienenen Artikel in der Zeitschrift „Foreign Affairs“ sprechen. Die Autorin Jennifer Lind vom Royal Institute of International Affairs in Großbritannien – was hat sie zu sagen? Schauen wir uns das zunächst einmal genauer an.
### Die Illusion der Multipolarität
In diesem Artikel heißt es, dass die Welt nicht so multipolar ist, wie viele glauben, sondern dass nach wie vor die beiden Supermächte USA und China das Sagen haben. Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor, oder? Schließlich waren während des Kalten Krieges auch die USA und die Sowjetunion die beiden Supermächte. Die Autorin argumentiert jedoch, dass der derzeitige Wettbewerb zwischen den USA und China zwar intensiv sei und beide Länder von kleineren Verbündeten bei der Abgrenzung ihrer Einflusssphären unterstützt würden, diese Konstellation aber stabiler sei als ein multipolares System – schließlich würde ein Mitwirken vieler Länder nur zu Chaos führen.
### Die Schwelle zur Großmacht
Anschließend erläutert sie ausführlich die Kriterien für den Status einer „Großmacht“: Ein BIP, das 17 % bis 45 % des BIP der führenden Macht übersteigt, oder ein kombinierter Wert aus Wirtschaftsgröße und Wohlstandsniveau (BIP multipliziert mit dem Pro-Kopf-BIP), der 8 % bis 28 % des Wertes der führenden Macht erreicht. Nach diesen Maßstäben liegen sowohl das BIP als auch der Gesamtindikator Chinas weit über dem Niveau, das historische Großmächte im Durchschnitt aufweisen. Mit anderen Worten: China strebt keine Vorherrschaft an, sondern möchte lediglich nicht übersehen werden.
### Die „Verteidigungsstrategie“ der USA
Nun stellt sich die Frage: Was macht die USA? Die USA sind dabei, ihre „Festung“ zu verteidigen, d. h. ihre Interessen in Lateinamerika vor einer Aushöhlung zu schützen. Kürzlich haben die USA eine nationale Sicherheitsstrategie veröffentlicht, in der ausdrücklich betont wird, den Fokus auf die westliche Hemisphäre zu richten, in Brasilien einzugreifen, Argentinien zu unterstützen sowie Venezuela und Panama unter Druck zu setzen. Ist das nicht eine Reaktion auf Chinas Einfluss im eigenen Hinterhof?
### Chinas Monroe-Doktrin?
Natürlich könnte auch China eine eigene Monroe-Doktrin verfolgen, d. h. in Ostasien einen eigenen Einflussbereich aufbauen, die Nachbarstaaten dazu zwingen, sich von den USA zu lösen, und sogar versuchen, die USA aus Ostasien zu verdrängen. Das erinnert natürlich an imperialistische Machenschaften.
### Die Sorge vor einem Zweimacht-Wettstreit
Die Autorin äußert diesbezüglich Bedauern und Besorgnis. Sie ist der Ansicht, dass die Welt ohne einen vollständig von den USA dominierten Frieden – die sogenannte „Pax Americana“ – wieder in den Zustand der Spannungen aus der Zeit des Kalten Krieges zurückfallen würde. Dies hat kürzlich auch der deutsche Bundeskanzler Merz so formuliert.
### Die Welt nach dem unipolaren Zeitalter
Wie wird also die Welt nach dem unipolaren Zeitalter aussehen? Die Sichtweise der Autoren kehrt zu der Zeit vor dem Kalten Krieg zurück. Wird China zu einer solchen Supermacht werden? Werden mittelgroße oder gar kleine Staaten ihre Handlungsfähigkeit vollständig verlieren? All diese Fragen bleiben abzuwarten.
### Unsicherheit der Weltordnung
Derzeit ist die internationale Ordnung sehr instabil. Man betrachte Indien, das wieder von „Hühnchenberg“ spricht – diese Besessenheit ist wirklich tief verwurzelt. Ein Bericht des australischen Lowy-Instituts sieht Indien zwar positiv, vergibt ihm jedoch nur 40 Punkte und ordnet es damit in dieselbe Kategorie ein wie Singapur, Nordkorea und Brunei. Wie sich diese multipolare Welt letztendlich entwickeln wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen.
Insgesamt erinnert uns dieser Artikel in „Foreign Affairs“ daran, dass die Welt möglicherweise nicht so komplex ist, wie wir uns das vorstellen. Die USA und China nehmen in diesem bipolaren Gefüge nach wie vor eine dominierende Stellung ein, doch der Wettbewerb und die geopolitischen Spannungen werden deshalb nicht verschwinden.